gno-mosaik_15032014_kleinVon Silvia Meixner. – Irgendjemand latscht immer durch. Durchs Foto, durch die Filmaufnahme oder durch einen gerade mühsam geebneten Weg. Das war schon immer so und entlockt dem Betrachter ein Lächeln:  Schon 300 n.Chr. gab es offensichtlich Schlaumeier, die per Sandalenabdruck testen wollten, ob der Boden schon getrocknet sei. War er nicht. Und heute ist der Abdruck eine kleine Zugabe eines Kunstwerkes. Damals, in der Stadt Lydda, die heute in Israel liegt und Lod heißt, trat ein Unbekannter in der Trocknungszeit eines der schönsten Mosaike der Welt auf die Unterlage, die aus mehreren Schichten Mörtel und Zement bestand. Das Mosaik, das sein Überleben vermutlich dem Umstand verdankt, dass Lehmziegelwände einer großen Villa es nach ihrem Zusammensturz jahrhundertelang schützten, ist derzeit in Berlin zu bestaunen. Auf 7,2 mal vier Metern wird im Alten Museum noch bis Mai 2014 die Ausstellung „Jäger+Gejagte“ gezeigt. Da ist der Löwe, der den Wasserbüffel frisst. Ein Python, der einen großen Fisch attackiert. Nicht alle werden gejagt, das Kaninchen zum Beispiel, frisst friedlich Trauben. Die exotischen Tiere vom Elefanten bis zum Tiger, halten ungestört Rast, dahinter taucht das Seeungeheuer Ketos auf. Rund 80 Säugetiere, Vögel und Wasserbewohner tummeln sich auf diesem faszinierenden  Mosaik, das 1996 bei Straßenarbeiten gemeinsam mit anderen Mosaiken in der Kleinstadt Lod bei Tel Aviv gefunden wurde.  Der am besten erhaltene Mosaikboden ist seit 2010 „auf Tournee“ durch Museen in den USA, Frankreich und Berlin, danach wird er in einem eigenen Museumsbau am Fundort, dem Shelby White und Leon Levy Lod Mosaic Center, ausgestellt.

Die Museumsbesucher stehen in Berlin andächtig vor dem Podest, auf dem das Kunstwerk, das aus tausenden kleiner Natursteine und Glasstückchen besteht, ausgestellt ist. Betreten darf man es natürlich nicht. Nie wieder.