Von good-stories.de/red. – Lomographen sind Menschen, die mit einer ulkigen Kamera irgendwie eigenartige Fotos machen und das als Kunst bezeichnen. Jetzt ist der erste Reiseführer über die Stadt erschienen, in der diese Fotografiekunst erfunden wurde: Wien.

Bunt, manchmal verwackelt, irgendwie geheimnisvoll- das sind Lomographien. Anfang der 1990er-Jahre gründeten Wiener Studenten die „Fotoinitiative Lomographische Gesellschaft“ – und eröffneten dem Rest der Welt einen neuen Blick auf dieselbe. Fotoamateure  machten „Hüftschüsse“ mit ihrer LOMO LC-A oder LOMO LC-A+, es geht darum, ungeplante, experimentelle Schnappschüsse zu machen. Ihre Kameras scharfstellen können die anderen, die Langweiler. Ein echter Lomograph sucht das Außergewöhnliche. Ungewöhnliche Perspektiven und ungewöhnlich lange Belichtungszeiten, die bis zu zwei Minuten dauern können, führen zu bunten, verwackelten Fotos- Lomos eben.

Wien eignet sich wunderbar für einen Lomo-Stadtführer, viele Menschen hier sind genauso ein wenig verwackelt, bunt und geheimnisvoll wie eine echte Lomographie. Die Stadt an der Donau wird auf 1400 Fotos ohne viel Klischee-Brimborium vorgestellt. Menschen, die, vermutlich jeden Tag, aus dem Fenster gucken sind vielleicht keine besonders gute Werbung für eine Touristenstadt- aber man schaut das Foto trotzdem gern an. Und immer wieder Hunde, in Wien werden sie gern verhätschelt und niemand ist ihnen gram, wenn sie ihr Geschäft auf dem Trottoir (Gehweg) verrichten- das arme Hunderl kann ja nichts dafür, dass sein Herrchen so nachlässig ist. Foto Nr. 16 zeigt zum Beispiel einen Wiener Busfahrer, angepriesen als „Original“. Verkäufer von Obdachlosenzeitungen werden ebenso präsentiert wie ein alter Herr namens „goschada Strizzi“ (übersetzt etwa: vorlauter Schwerenöter). Der Flohmarkt am Naschmarkt gehört zu den Touri-Klassikern, auf das Parkdeck am Westbahnhof hingegen schicken Wiener eher selten Besucher (außer vielleicht, wenn sie sie loswerden wollen). Hat man sich erst an die zum Teil winzigen Fotos – weniger wäre oft mehr!- gewöhnt, macht das Blättern Spaß. Die Autoren schicken Reisende auf Märkte, die selbst Wiener nur dann aufsuchen, wenn sie in der Nähe wohnen oder in ein Sommer-Schwimmbad, in dem in der letzten Viertelstunde vor Betriebsschluß Wiener Walzer gespielt wird. 

Es gibt Tipps für Tag und Nacht und wer mit diesem Buch (256 Seiten, 16,50 Euro) loszieht, wird sich in Wien garantiert nicht langweilen. Und wenn: Kaufen Sie halt einen der übrigen, langweiligen, traditionellen Reiseführer und essen Sie in den Touristenfallen. Selbst schuld!