Gartenzwerg in bepflanzter ZinkwanneVon Paula Pogany. – Unermüdlich auf der Suche nach guten Nachrichten, stießen wir auf diese: Die Gartenzwerge befinden sich nicht in der Krise! Während viele Menschen sich derzeit viele Sorgen machen, stehen ein paar Schritte weiter, draußen im Garten oder auf dem Balkon, kleine Wesen, die offenbar wissen, wie es geht: Angelrute herausholen, Schubkarre bepflanzen, Pfeife rauchen, einen Fisch im Arm halten (offenbar schöner als eine Frau im Arm zu halten, aber dazu kommen wir später), sich an eine riesige Sonnenblume schmiegen… Was Gartenzwerge eben so machen.

Rund 25 Millionen Gartenzwerge stehen in deutschen Haushalten beziehungsweise im Grün deutscher Haushalte. Wir von der good-stories.de-Redaktion haben von unserem bescheidenen Newsroom aus Blick auf zwei kleine Gesellen. Der eine erfreut sich bester Gesundheit, er ist ein Filmstar, sozusagen, ein Überbleibsel der Dreharbeiten von „Go, Trabi, Go.“ Er hat keinen Namen, sieht aus wie der Schauspieler Wolfgang Stumph und trägt einen braunen Keramik-Bademantel mit Karomuster. Anders als andere Kollegen versucht unser Trabi-Zwerg nicht, krampfhaft gute Laune zu verbreiten, er ist, wie er ist, hat meistens gute Laune, lässt sich aber nichts anmerken. Manchmal hält er lange, komplizierte Reden über EU-Reformen, die Hohenzollern und/oder Fünfjahrespläne, aber wir haben nicht immer die Ausdauer, ihm zuzuhören. Anders Bruce! Er ist unser zweiter Gartenzwerg und sein Schicksal passt auf den ersten Blick so gar nicht zu unserer Unternehmensphilosophie, aber die Zeichen stehen auf Grün. Bruce ist derzeit kopflos, oder körperlos, je nach Betrachtensweise. Beim Umzug stürzte er aus einem Karton und wurde gleichermaßen geköpft. Seitdem reden wir unaufhörlich auf ihn ein, sich im berühmten Pattex-Krankenhaus von Pattaya operieren zu lassen. Bruce ist ein wenig eigenwillig, das zeichnet ihn aus, macht das Zusammenleben mit ihm allerdings auch oft mühsam. Er sagt, dass er, wenn er als Gartenzwerg-Kopf in einer Berliner Kneipe auftauche, weitaus mehr und interessantere Menschen kennenlerne  als wenn er als gewöhnlicher Gartenzwerg eine Weiße mit Schuss bestelle.  Das sehen wir ein, leiden aber doch unter der Situation, aber vielleicht liegt es daran, dass wir Menschen sind und Gartenzwerge gern als Kopf-Körper-Ensemble sehen.
Bruce und der Trabi-Zwerg sind also zwei kleine Repräsentanten einer Spezies, die mit 25 Millionen Wesen Deutschland bevölkern. Um den Gartenzwerg entspinnen sich, allerdings nur in Zeiten, in denen die Menschen weitgehend sorglos sind, die erstaunlichsten Diskussionen. Es gibt Menschen, die auf Tonzwerge schwören und Plastikgesellen verpönen. Gestern allerdings fanden wir im Internet ein Fach-Video, das die Pflege von Zwergen erläuterte. Der Vorteil von Plastikzwergen bestehe, so erfuhren wir, unter anderem darin, dass man sie mit der Gartendusche reinigen könne. Das Tolle daran ist, dass so ein Zwerg alles lächelnd über sich ergehen lässt (richtig schlimm fanden wir, dass man Menschen im 21. Jahrhundert offenbar erklären muss, wie man einen Gartenzwerg mit Wasser reinigt).

Liebesangelegenheiten regeln Gartenzwerge, indem sie sie ignorieren. Der Baseler Präsident der „Internationalen Vereinigung zum Schutze der Gartenzwerge“, Fritz Friedmann behauptet, dass ein Zwerg immer männlich sein müsse. „Ein echter Zwerg hat keine Frau und ist deshalb glücklich“, sagt der sogenannte Experte. Wir haben natürlich Bruce gefragt, der hat verschämt gelächelt und sich in Partylaune auf unserem Dekogegenstand namens „Frauentorso“ fotografieren lassen. Obwohl Zwerge heute weitgehend unelegant aussehen (das ist auch in Ordnung so), besitzen sie durchaus eine lange  Geschichte mit vornehmen Phasen. Im 18. Jahrhundert schufen die Menschen in Deutschland kleine Zwergenskulpturen für Residenzen, später wollten auch Normalos etwas Hübsches für den Garten. Als ob es nicht genügend Blumen gäbe! Die Kaiserliche Hofmanufaktur in Wien produzierte Mitte des 18. Jahrhunderts Einzelanfertigungen, kostbare Zwerge, um deren Leben der Gärtner vermutlich bei jedem Gewitter bangen musste. Später entstanden die ersten Terrakotta-Manufakturen in Thüringen.  Im Jahr 1898 wurden Thüringer Zwerge zum ersten Mal auf der Leipziger Messe offeriert, sie gelten seitdem als „typisch deutsch“, was immer das im Detail heißen mag. Der österreichische Buchautor Herbert Hufnagl (1945-2005) widmete den Gesellen sogar ein liebevolles Buch: „…irgendwo da draußen im Grünen“

Der angeblich „größte Gartenzwerg der Welt“ ist 25 Meter hoch und eine Attraktion der Oberösterreichischen Gartenschau „Botanica 2009“. Bruce sagt, dieser Zwerg sein ein blöder Angeber. Manchmal sind diese Zwerge wirklich wie Menschen.