Von Gisela Schütte. – Fotos, Kunstdrucke oder gefällige Gegenwartsmalerei sind die Favoriten, mit denen Hotels international ihre Säle, Korridore und Zimmer dekorieren. Das geht auch anders. Das Hamburger Hotel „Grand Elysée“  hat jetzt seine Räume in ein Museum verwandelt: Mit zeitgenössischer Kunst aus dem Norden. Ein kleines Museum für die Gäste.

 

Die beiden Hamburger Hoteliers Christa und Eugen Block sammeln seit 25 Jahren Kunst, vor allem gegenständliche Malerei aus Norddeutschland, aber auch Plastiken und Skulpturen regionaler wie internationaler Künstler. Das Engagement hat zwei Ziele: Zum einen, eine Sammlung norddeutscher Kunst zusammenzutragen, zum anderen viel versprechende junge Künstler mit Auftragsarbeiten zu unterstützen und mit Preisen zu fördern. Die so kontinuierlich gewachsene „Kollektion Block“ umfasst inzwischen über 650 Exponate. Und die halten die Sammler nicht unter Verschluss, sondern sie zeigen ihre Erwerbungen im Hotel „Grand Elysée“, mitten im Herzen der Hansestadt. Die Gemälde, Skulpturen und Fotografien prägen jetzt die Atmosphäre des 5 Sterne-Hauses, sie geben dem zentralen Boulevard ebenso Charakter wie dem Foyer, den Tagungsräumen und Zimmern. Damit bietet das Hotel einen Überblick über die Kunst in Hamburg und Schleswig-Holstein seit 1920.

 

Unterdessen dient auch ein Katalog als Begleiter durch die Sammlungen. Hamburgs Kultursenatorin Professor Karin von Welck lobte das Engagement als „in mehrfacher Hinsicht große Bereicherung des Kunststandortes Hamburgs“. Die Sammlung fußt auf langjährigem Kunstinteresse. Christa Block betreibt seit vielen Jahren im Hotel eine Galerie, in der Zeitgenossen ihre Werke zeigen und auch der Nachwuchs und die Künstler der Partnerstädte wie St. Petersburg  die Chance auf Präsentation haben. Dieser Einblick in die Szene und Atelierbesuche bei den Kunstschaffenden im Norden waren der Anstoß für die Sammlung.

 

Und die ist eben weit mehr als eine Kollektion dekorativer Motive: Sie bietet durchaus Werke international arrivierter Künstler wie Meret Oppenheim, Eduard Bargheer, und Salvador Dalì. Die Kunst prägt die Räume. Wer beispielsweise den Boulevard durchschreitet, fühlt sich beobachtet von den Darstellern  im „Reigen“, den Friedel Anderson malte – ein Gemälde mit Hintersinn, auf dem sich Persönlichkeiten der Kulturgeschichte verbergen: So blinzeln Andy Warhol und Joseph Beuys nebeneinander über die gemalte Balustrade des Frieses. Und so geht es weiter – vorbei an Bronzen und Standansichten, Fotografien und Stadtansichten. „Unser Programm ist in der Konzentration auf gegenständliche Malerei und regionale Künstler unmissverständlich, bietet aber auch kreativen Spielraum für Ausflüge in ergänzende Bereiche“, beschreibt Christa Block das Profil der Sammlung, deren Wert mit rund 1,5 Millionen Euro beziffert wird.