Von Heidi Müller. – Das Gute daran: Die Realität ist oft viel grausamer als die Fiktion. Das Schlimme: Bernd U. Schwenzfeier, Autor von Kriminalromanen und pensionierter Kriminalhauptkommissar, weiß, wie es wirklich ist. Und schreibt sich seine Krimis eben selbst! Ein Porträt.

Der Berliner kann sich kaum noch Krimis im Fernsehen angucken. „Da wird mir einfach viel zu viel falsch gemacht. Das hat mit der Realität nicht mehr viel zu tun.“ Der Ermittler im ZDF sei gut gemacht oder Inspector Lynley, die schaue er sich gerne an. Neulich habe ihn auch „Der Tote im Moor“ mit Billy Bob Thornton in der Hauptrolle im Fernsehen begeistern können. Prädikat: realistisch. Aber sonst…

Doch wozu sich aufregen? Schließlich hat er Talent – und jahrzehntelange Erfahrung. Sein ehemaliger Lehrer, der Herr Dr. Radde, habe es ja schon damals geahnt: „Mensch, Junge, du hast eine große Fantasie.“ Dabei geht es in Schwenzfeiers Werken gar nicht so um die Fiktion, sondern eben um knallharte Fakten. In seinen Büchern „Der Feind in meinem Haus“, „Einladung zum Mord“ oder „Der Mitternachtsmörder“ handelt es sich allesamt um authentische Kriminalfälle aus Berlin. Herr Kriminalhauptkommissar, der 1962 zur Kriminalpolizei kam und 1978 zum stellvertretenden Kommissariatsleiter beim polizeilichen Staatschutz im Bereich der Terrorismusbekämpfung ernannt wurde, erzählt packend und erschreckend detailliert. Durch Originalpassagen aus Gutachten und Polizeiberichten gewährt Schwenzfeier Einblicke in das Denken und Vorgehen der Täter, den Leidensweg der Opfer und die harte Polizeiarbeit, die manchmal an die Grenze der Belastbarkeit geht. „Wenn ich an einigen Tatorten vorbeikomme, läuft es mir jetzt noch eiskalt den Rücken herunter“, gesteht der Krimiprofi. Das, was er in dem Kapitel „Der Pizzamörder“ zusammengetragen hat, sei das Abartigste, was er je erfahren habe. „Eine sofort durchgeführte Obduktion bestätigte, … dass der Tod durch Überfahren mit einem Kraftfahrzeug und durch massive Schlagverletzungen auf den Kopf eingetreten war. Das zunächst unbekannte Opfer wies außerdem massive Rippenbrüche und Rupturen von Herz und Leber auf. Die Schädelbrüche waren aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem stumpfartigen Werkzeug herbeigeführt worden“, heißt es in der Polizeiakte. Erschreckend für den Leser, wie regungslos der Pizzamörder Frank Renner, wegen dreifachen Mordes und Vergewaltigung zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, seine Taten beschreibt: „.. wie soll ich dat sagen, sadistische Auswüchse, was ich gemacht habe. Mehr habe ich nicht angestellt…“

Dabei fing alles so harmlos an auf der Schreibmaschine des Commissario. Auf einer Kur in St. Peter-Ording verfasst er erste Gedichte und startete dann, Seite für Seite, mit dem erklärten Lieblingsbuch seiner Frau „Insel hinter den Wellen“, einem Fantasy-Roman aus Irland. „Vor etwa 1500 Jahren verbannte der irische Großkönig Fionn seine untreue Ehefrau Grainne auf die geheimnisvolle Insel hinter den Wellen. Durch diese frevelhafte Tat hat er sich aber den Zorn der Götter zugezogen und so darf zur Strafe seine Seele nach seinem Tode nicht in den Himmel aufsteigen, nicht bevor er einen mutigen Iren gefunden hat, der die Königin aus ihrer Einsamkeit erlöst. Auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten gelangt Fionn durch die Jahrhunderte in die Gegenwart und findet in dem Fischer Patrick 0`Sullivan endlich den richtigen Mann. Mit der Aussicht auf ein ewiges Leben an der Seite der schönen und heißblütigen Königin überzeugt Fionn Patrick, die Aufgabe zu übernehmen und ihm damit endlich den wohlverdienten Frieden zu schenken, nach dem er sich so sehr sehnt. Gelingt es Patrick, die sagenumwobene Insel zu finden und Grainnes Liebe zu erringen…?“ Steckt nicht hinter jedem Kommissar ein wahrer Romantiker?