Buchcover Single In The City - Frl. Garbers rennt durch die StadtVon Silvia Meixner. – Das Leben im Trendbezirk Prenzlauer Berg hält für Menschen vieles bereit: Frisch gepressten Sanddornshake für den kleinen Aeneas und seine Schwester Iphigenie, die Säuglingszeichenspache, Baby-Yoga. Fast alles hier ist aus Bio: Die Pflastersteine, der Apfelsaft, sogar der Himmel! Es gibt Bio-Zuckerwatte und linksdrehende Gedanken in hochbegabten kleinen Superhirnen, deren Mütter überlegen, ob sie jetzt nicht doch endlich einmal den siebensprachigen Kindergarten gründen sollen, weil es erstaunlicherweise immer noch keinen gibt. Natürlich sollten die BetreuerInnen auch bio sein, irgendwie.

Man muss wirklich verdammt aufpassen, dass man da nicht irre wird als Frau ohne Kinder, in diesem Berliner Bezirk. Und dann sind da noch die Männer, die auch nie da sind, wenn man sie mal braucht. Männer, die laufen, sich mit Fußball auskennen oder auch nicht, Karriere machen oder auch nicht, Porsche fahren oder Fahrrad, oder einfach verlässliche Nachbarn sind. Und die Männer, die Frl. Garbers‘ Schnürstiefel lecken wollten. Alles potenzielle Ehemänner, potenzielle Väter ungeborener Kinder und potenzielle Liebhaber.

Die schicken Schnürstiefel haben Laufpause. Frl. Garbers rennt vorläufig nicht, zumindest nicht durchs Nachtleben. Sie ist jetzt Mutter. Früher hat sich die Berliner Journalistin Sandra Garbers, ehemals fröhlicher Single, über Bücher wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ lustig gemacht. Mit großem Erfolg. Ihre Kolumne „Frl. Garbers rennt durch die Stadt“ erschien erst in der Berliner Morgenpost, dann als Buch (158 Seiten, Verlag Quadriga, 14,99 Euro). Aus dem fröhlichen Single ist eine fröhliche Mutter geworden.  Ehemals schriftlich veräppelte Bestseller wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ braucht Sandra Garbers natürlich nicht, was kümmert mich mein Geschwätz von gestern! Ihre zwei entzückenden Kinder schlafen nach der Gutenachtgeschichte und dem Brei brav und umgehend ein (manchmal). Es sind Prenzlauerbergkinder, aber ganz, ganz liebe. Ausnahmeerscheinungen. Die Horrorzwerge haben die anderen. Und die hat Sandra Garbers früher mit Worten bekämpft. Jetzt macht sie ganz entspannt Prenzlbergmutter-Babypause. Aber die Light-Variante, ohne all den Blödsinn. Ihr Buch muss ihr aus heutiger Sicht betrachtet wie aus einem anderen Leben erscheinen, es ist ein wagemutiger Ritt durch Berlin und die Glitterparties und Abgründe der Stadt, betrachtet aus der Sicht einer Singlefrau, die mal verzweifelt, mal hoffnungsvoll, mal verliebt, mal auf Männer-Entzug war. Kaum ist der goldene Herbst verglüht, jammern die Großstadtmenschen gern über den Herbst-Blues. Nicht mit diesem Buch. Zwischendurch fällt man vor Lachen fast vom Sofa. Es gibt immer noch keine Bio-Anschnallgurte fürs Sofa. Ich wohne nicht in Prenzlauer Berg, wollte das aber erwähnt haben.

Foto: Redaktion good-stories.de