Nashorn im Burgbacher ZooVon Silvia Meixner. – Manchmal ist das Verhältnis zwischen Österreichern und Deutschen ein bisschen wie im Kindergarten. Gerade hat mal wieder ein Schauferl Sand über die Landesgrenzen geschmissen. Ganz böse ist das! Ein Bayer – wer sonst? – hat sich die Begrüßungsformel „Griaß di“ patentieren lassen, zum Glück nur als Marke für Kleidung, aber wer weiß, was den Bayern als nächstes einfällt. Ich erinnere mich an jene Zeiten, als die Bayern von jedem Ösi, der in ihrem schönen Land arbeiten wollte, als einzige EU-Destination einen AIDS-Test forderten. In Bayern in den 90er-Jahren einen Aidstest zu machen war, wie am Sonntag im katholischen Gottesdienst in der Fürbitte zu verkünden, dass man, wir bitten Dich, vergebe uns- in seiner Wohnung ein Privatbordell errichtet hat. Aber seitdem weiß ich, dass ich pumperlgesund bin, ist ja auch was.

Dass das mit dem „Griaß di“ für Ärger sorgt, war eigentlich unumgänglich. Ein Tiroler nämlich verkauft schon seit längerem T-Shirts mit diesem Aufdruck und der Bayer hat sich den Spruch bei der EU patentieren lassen. Ja mei! Wenn das jetzt Schule macht, können wir alle einpacken. Ich erhebe hiermit Anspruch auf folgende Wörter: „Servus“, „Pfiat di“, „Leiwand“ und, weil ich bescheiden sein will, „Sakra!“ Patentanmeldung erfolgt parallel online. Und wehe, irgendjemand benutzt künftig „meine“ Worte. Dann werden Sie mich kennen lernen! Eine neue Liste folgt Anfang kommender Woche.

Wir Ösis lassen uns nämlich nicht über den Tisch ziehen und schon gar nicht von den lieben Nachbarn. Da könnte ja jeder kommen. Tun sie auch. Kürzlich erhoben die Slowenen offiziell Anspruch auf die Käsekrainer. Die Krainer nämlich, „Kranjska klobasa“, ist slowenisch, irgendwann kam jemand auf die geniale Idee, kleine Stückchen Emmentaler hineinzugeben, das war die Geburtsstunde der Käsekrainer. Die Slowenen hätten eigentlich schon Jahrzehnte früher darauf kommen müssen, dass man sie angeblich bestohlen hatte, aber manchmal dauert die Aufdeckung großer Skandale eben ein bisserl länger. Vielleicht wollten die Slowenen ja auch nur einmal richtig groß in die Medien. Diesen Gefallen tat man ihnen gern, der Streit um die Käsekrainer währte einige Wochen, nun ist die „Krainer Wurst“ bei der EU als geografisch geschützte Angabe eingetragen und alles paletti. Bleibt nur die Frage, ob irgendjemand irgendjemanden kennt, der mit „Krainer Wurst“ ins globale Fastfood-Geschäft einsteigen wollte. Ich halte das für unwahrscheinlich, aber meine Lieblingswurst ist seit Kindheitstagen die Käsekrainer, weshalb die Streitigkeiten mich tief erschüttert haben. Es ist immer wieder ein Abenteuer, in eine heiße Wurst hineinzubeißen (sie muss unbedingt gebraten sein, gekocht geht gar nicht!) und abzuwarten, ob man innere Verbrühungen (das heiße Öl! der glühende Käse!) erleidet oder nicht. In Wien heißt diese Wurst auch „Eitrige“, damit schocken wir am Würstlstand vorzugsweise deutsche Touristen und hoffen, dass sie dann etwas anderes bestellen. Eine polnische etwa. Oder ein paar Frankfurter, die schmecken so schön langweilig.

Und wenn das mit den EU-Patenten so weiter geht, werden wir uns noch ganz andere Finten einfallen lassen (müssen). Wir sind unschuldig! Wo wir Wiener doch am liebsten still und friedlich eine Eitrige essen.

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