Von good-stories.de/red. –  Das Paradies liegt in Berlin, Friedrichshain, Hinterhof rechts. Von außen verrät nichts, dass hier jeden Tag Tausende Kalorien produziert werden. Kalter Hund, Hund an Hund, lagert hier in riesigen Kühlschränken.

Der „Kalte Hund“ war lange vonunseren Ernährungsplänen verschwunden: Zu süß, zu schwer, zu ungesund. Aber manchmal muss und darf es süß, schwer und ungesund sein. Wie jede gute Marktlücke wurde auch diese zufällig entdeckt. „Ich habe 20 Jahre als Musikinstrumentenverkäufer gearbeitet, als ich 2004 arbeitslos wurde, habe ich mit meiner Frau einen Frühstücksservice gegründet“, sagt Jens Rose, Gründer der Kalter-Hund-Manufaktur. Mit dem Fahrrad lieferten die beiden jahrelang Frühstück in Berliner Büros, jeden Donnerstag gab’s Kuchen. „Der ‚Kalte Hund’ lief am besten, er ging weg wie warme Semmeln, nie blieb ein Stück übrig.“ Die Menschen in ihren lieblosen Büros seufzten rührselig, murmelten etwas von Kindheit und steckten sich ein Stück des Keks-Schokolade-Kuchens in den Mund. So sieht Glück aus – und deshalb wurde die Manufaktur gegründet. Derzeit erfährt der „Kalte Hund“ eine Renaissance, Jens Rose beliefert in Berlin verschiedene Kaffeehäuser mit seiner Spezialität und auch in München, Essen und Magdeburg schätzt man das preußische Produkt.

Das weckte die Konkurrenz, auf diversen Märkten versuchen Hund-Spezialisten ihr Glück. Jens Rose ist selbstbewusst. Die Konkurrenz beunruhigt ihn nicht, denn er kennt die schlimmsten Hunde-Fehler und vertraut auf sein Produkt. Kuvertüre zum Beispiel macht die Süßspeise hart. Das fällt beim Kindergeburtstag nicht auf, aber 30, 40 Jahre später schon. Dann weiß der Mensch gute Zutaten zu schätzen. Bei den Roses wird der Kaffee mit dem langsam geschmolzenen Kokosfett mit dem Handmixer verrührt. Das macht die Schokolade, die vor dem Servieren natürlich ordentlich gekühlt werden muss, trotzdem cremig. Biomilch dazu, gute Eier. Brauner statt weißem Zucker. Und die richtige Technik. „Ich baue einen Hund“, sagt der Experte. Denn gebacken wird er ja nicht. Schicht für Schicht werden Butterkekse gestapelt, dazwischen die Schoko-Kokosfett-Masse (nicht an die Kalorien denken!) und dann ab in denKühlschrank. „Ein kalter Hund hat nicht mehr Kalorien als eine Buttercremetorte“, versichert Jens Rose und lächelt. Soll das ein Trost sein oder ein Witz?

Und weil immer nur dunkle Schokolade langweilig wäre, hat Jens Rose neben dem Klassiker auch Variationen im Angebot: den Erdbeer-Hund zum Beispiel oder Feige-Limone, Weiß-Kokos, Kirsch, Marzipan oder Orange-Zimt. Die kulinarische Erfindung stammt aus einer Zeit, in der man das Kalorienzählen noch nicht erfunden hatte. In den 50er-Jahren erinnerte man sich noch mit Schrecken an die Entbehrungen der Kriegsjahre und der schöne Umstand, dass es wieder Schokolade, Fett und Eier in Hülle und Fülle gab, ließ die Menschen diese verschwenderische Speise ersinnen. Der „Kalte Hund“ – benannt nach dem Grubenhunt, einem offenen Förderwagen aus dem Bergbau, der aussieht wie die Kasten-Backform, in der der kalte Hund vor sich hin friert- machte – und macht bis heute- Hausfrau und Gäste froh: Die Zutaten kosten nicht viel und das Ding ist leicht herzustellen (wenn man erst mal gelernt hat, die Kekse korrekt zu schlichten).  Hund, scheibchenweise, eine Sünde wert.