Koenigspudel-RenaissanceVon good-stories.de/red. – Sie sind liebenswert, treu, schön, schlau, ein bisschen altmodisch und sie erleben derzeit eine kleine Renaissance. Es gibt eigentlich keinen Grund, keinen großen Pudel zu haben.

Sie sind wie Wesen aus einer anderen, irgendwie besseren Welt: Königspudel gehören zu den schönsten Hunden, man sieht sie viel zu selten. Aber es besteht Hoffnung, dass es bald wieder mehr von ihnen gibt. Königspudel heißen Kiss me kate, Emanuelle, Beethoven Black Power oder Kennedy, was logisch ist, denn ein schnödes Bello oder Hasso würde die Idylle massiv gefährden. Selten nur sieht man am anderen Ende der Leine der majestätisch-eleganten Tiere einen Mann. Nehmen es die Besitzer ernst, haben sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit für die „Löwenschur“ entschieden. Mit Bein-Puscheln, Krone, das ganze Programm. Ein Pudel muss mehrmals im Jahr geschoren werden. Und vermutlich, weil dem Menschen der Mut zur „Löwenschur“ am eigenen Kopf fehlt, hat er diese Pudelschur-Art erfunden. Es gibt natürlich Wettbewerbe um die schönsten Frisuren, denn auch bei der Schur ist alles streng festgelegt. Und wer vor nichts zurückschreckt, kauft seinem Liebling dann Puschel-Schoner zum Überziehen. Das ist aber auch wirklich das einzig Schreckliche, das wir in der Welt der Königspudel finden konnten.
„Als ich einen Bekannten nach über 30 Jahren wiedertraf, fragte er, was ich denn so mache“, erzählt Hans-Theo Steinhaus, Betreiber der Seite www.pudelgarten.de, selbstständiger Ingenieur in der EDV-Branche aus Bad Nauheim. Und als er erzählte, dass er in seiner Freizeit Pudel züchtet, brach sein Gegenüber in Lachen aus. Man gewöhnt sich dran, an Häme und Spott. Anfangs, so gibt Hans-Theo Steinhaus lächelnd zu, wäre manchmal beinahe der Versuchung erlegen, die Sache mit den Pudeln in der Öffentlichkeit gänzlich seiner Frau Ulrike zuzuschreiben: „Aber ich habe es dann doch nicht gemacht. Es wäre Verrat an den Tieren gewesen.“ Denn Königspudel sind, das ist die Realität, eher dem Damenfach zuzuordnen, „in“ sind, je nach Hitliste, andere Hunde. Labradore, Windhunde, kleine Hündchen, die in die Handtasche passen. Seit Jahrzehnten unmodern scheint hingegen der Pudel zu sein. Kenner unterscheiden Zwerg-, Klein-, Mittel- und Groß- oder Königspudel. Als Großpudel gilt, wer höher als 48 Zentimeter ist.

Als erklärter Pudelfreund sagt Hans-Theo Steinhaus: „Altmodisch ist nicht der Pudel, sondern die weit verbreitete Vorstellung und Meinung über den Pudel sind altmodisch!“ Ein echter Familienhund ist so ein Pudel. Vielleicht liegt sein langsames Verschwinden aus unserem Leben auch mit daran, dass es immer weniger klassische Familien gibt. Patchworkfamilien, so scheint’s, brauchen keine Pudel. Die haben Labradore oder andere Haustiere, die gerade en vogue sind, weil irgendein Prominenter damit abgelichtet wurde.

Immer mehr Menschen entdecken, dass Pudel nicht nur ideale Weggefährten, sondern auch praktisch sind, wenn man Allergien hat. Diese Hunde haaren nämlich nicht. Außerdem sind sie gelehrige und geduldige Tiere, die vermehrt dazu eingesetzt werden, Menschen zu helfen, und es gibt immer mehr Pudel, die zu Begleithunden für behinderte Menschen ausgebildet werden. Die Ausbildung dauert zwei Jahre, der Wert eines Hundes liegt dann bei rund 20.000 Euro.

Früher waren Pudel Adeligen und Königen vorbehalten. Die setzten die Tiere zur Entenjagd ein. Und weil sie dabei oft ins Wasser springen mussten, dachte sich mal jemand diese ungewöhnlichen Schuren aus, ein abgeschorenes Hinterteil sollte dem Hund das Schwimmen erleichtern. Der Name des Hundes kommt vom altdeutschen Wort „puddeln“, das bedeutet „im Wasser planschen“. Woher der Pudel genau stammt, ist ungeklärt. Manche sagen, er käme aus Russland, andere glauben, dass er aus Frankreich oder Italien kommt. Wir sagen: Hauptsache, er ist da!

Unser Foto zeigt Gabriele Ellerbroks Pudel Beppo, der begeistert in See sticht – und in jedem Hafen die Herzen der Menschen erobert.

Foto: Gabriele Ellerbrok