gno-fische1-arezuweitholz_13102013von good-stories.de/red.– Jeden Freitag versendet sie eine Mail, die Leser schon zum Lächeln bringt, bevor sie sie gelesen haben: Arezu hat geschrieben, der frische Fisch ist da! Ach, was war das für eine übersichtliche Welt, als die Menschen sich darauf geeinigt hatten, am Freitag Fisch zu essen. Nun kommt er online. Unpaniert, unfrittiert. „Der frische Fisch“ ist das Fischgedicht der Woche. Diese Tiere kommunizieren nur bedingt mit Menschen, sie sind häufig scheu und lassen sich nicht dressieren, vielleicht macht das ihren Zauber aus. Entweder wir finden Fische langweilig oder schön oder wir schwimmen und tauchen am falschen Ort und sind – schwupps!- aufgefressen. Kann man sich mit Haien unterhalten? Ein letzter Smalltalk? Wir wissen es nicht.

Die Berliner Autorin Arezu Weitholz hat mit „Ein Fisch wird kommen“ ihr drittes Fisch-Buch geschrieben („Ein Fisch wird kommen – Kleine Fischkunde mit Gedichten“, Verlag Kunstmann, 126 Seiten, 12,95 Euro). Ein kleines, elegantes Büchlein, eleganter dunkelblauer Satin. Meer-Gefühl. Eintauchen. Braucht die Welt das? Ja! Wir schließen Bekanntschaft mit neuen Fischen, die es in keiner Zoohandlung gibt (leider). Der Fisch und Schlips zum Beispiel, in England fälschlicherweise als „Fisch & Chips“ bekannt und „bis zur Unkenntlichkeit frittiert.“ Kein Wunder, dass niemand den Schlips erkennt.

Im Meer geht’s rund. Aal Capone, ein Genosse von „verschlagener Glipschigkeit“, organisiert hier die Welt des Verbrechens, erpresst unermüdlich Schutzgelder von Bärschen, Hechten und Haien, betreibt Wettbüros im nördlichen Atlantik, die in der Szene als „Wattbüros“ bekannt sind. Hat eine Aallergie gegen Talerfische und schreibt Krimis. Der Albinofisch „im Glas“ ist unsichtbar, ein wahres Kunstwerk, allerdings leidet er darunter, dass er ständig übersehen wird. Und was machen Fische, die nicht mehr weiter wissen? Sie bilden einen Arbeitskreis, das haben sie vermutlich von den Menschen abgeschaut. Vielleicht war es auch umgekehrt.

Woran glauben Fische? Die Haare Fishna sind ein religiöser Schwarm, der in seichten Gewässern des US-Bundesstaates Oregon. Sie haben ungewöhnlich lange Haare, rote Schuppen, die im Alter ins Orange ausgleichen und singen gern. Potenzielle Jünger sind Bierfisch, Beistellfisch, Kalligrafisch, Kartografisch und weitere möglicherweise lebende Fischarten, die das Buch präsentiert. Am Ende aller herrlichen Gedichte stet die Weissagung der Sardinen: „Erst wenn das letzte Riff zertrampelt, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet Ihr feststellen, dass Plankton Scheiße schmeckt!“. Ich hoffe auf noch viele Freitage mit frischem Online-Fisch.

Illustration: Arezu Weitholz

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